Bisher galt das "Mitmachweb" vor allem für Amateure und ambitionierte Schreiber, Filmer, Fotografen oder exhibitionistisch veranlagte Jugendliche auf der Suche nach Anschluss als schier unerschöpfliche Spielwiese.
Nun machen die "Professionals" ernst - und zwar nicht nur auf Social-Networking-Plattformen wie Xing. Wie die Futurezone berichtet, schlossen sich namhafte Musiker und Bands (David Gilmour, Iron Maiden, Radiohead, Robbie Williams, Travis und andere) zusammen, um die Featured Artists Coalition zu günden - eine gemeinsame Künstlerplattform zur Wiedererlangung von Kontrolle und Urheberrechten:
"We believe that all music artistes should control their destiny because ultimately it is their art and endeavours that create the pleasure and emotion enjoyed by so many."
[Quelle: http://www.featuredartistscoalition.com/our_charter.html]
Mehr Informationen über - und Einfluss auf - die Verwertung ihrer Werke sowie einen größeren Anteil an den enormen Einnahmen, die mit ihrer Musik erzielt werden, sind die Ziele dieser "Musiker-Gewerkschaft".
Es war nur eine Frage der Zeit, bis jene, die der Musikindustrie glaubwürdig mit der unabhängigen Vermarktung ihres geistigen Eigentums drohen könnten, einen Schritt in diese Richtung setzen. Digitale Medien, eine wachsende Web-Community, größer werdende Bandbreiten bei gleichzeitig sinkenden Zugangskosten begünstigen diese Entwicklung seit langem.
Wenn Hobby-Musiker auf MySpace, Facebook, YouTube & Co. treue Fans gewinnen, warum sollte es nicht erst recht den schillernden Marken wie "Bryan Ferry" möglich sein, ihre Fangemeinde (Community) online zu versorgen? Radiohead, Saul Williams und Nine Inch Nails haben bereits überaus erfolgreich mit unabhängigen Vertriebsmöglichkeiten, die das Web bietet, experimentiert (http://futurezone.orf.at/it/stories/231394/). In Kombination mit der sozialen Komponente des Web 2.0 sind diese Möglichkeiten mit einer bloßen Band-Website bei weitem nicht ausgeschöpft.
So speziell also die haptische Erfahrung sein mag, das aufwendig gestaltete Case einer Musik-CD in Händen zu halten, zu öffnen, das Hochglanz-Booklet durchzublättern, so sehr wird sie in einem von MP3-Playern dominierten Markt an den Rand gedrängt.
Für mich ist es fast verwunderlich, dass die Großen der Branche sich noch von Musikverlagen abzocken lassen, was ich in erster Linie auf Tradition und Bequemlichkeit zurückführe. Denn mit den Mitteln, die im Web zur Verfügung stehen, und mit dem Know-How der Community ist es nur ein kleiner weiterer Schritt zum Musiker als selbstverantworlichen Unternehmer (im kollegialen Netzwerk), der seinen Preis selbst bestimmt und verdient, was ihm zusteht. Letztendlich würden wahrscheinlich auch wir Musik-Konsumenten davon profitieren, dass die Preise durch das Wegfallen teurer Vertriebswege (CD-Produktion, Distribution und Vermarktung) sinken.
Eine neue Systemstruktur des Music Business 2.0 könnte außerdem neuartige Feedback-Schleifen etablieren und die Interaktion zwischen Künstler und Konsumenten fördern, weit über Download-Zahlen und Zugriffsstatistiken hinaus. Deshalb, finde ich, sollte man diese Entwicklung fördern und dadurch dem musikalischen Raubbau durch multinationale Vermarktungskonzerne Einhalt gebieten.
Samstag, 4. Oktober 2008
Web 2.0 Professional
Von Gregor T. um 13:44 0 Kommentare
Montag, 29. September 2008
Denkwürdig, bedenklich: Nationalratswahl 2008
"Es reicht!", rief´s und steuerte Österreich in ein Neuwahlendesaster. Diese Wahl ist nun seit einigen Stunden Geschichte. Ein trauriger Anlass für ein weiteres Posting in eigener Sache...
Ich versuche stets, Politisches in mir und um mich herum zu isolieren, streng zu trennen von Geschäftlichem, Freundschaftlichem oder Sachlichem. Daher soll´s nicht zur Regel werden, an dieser Stelle zu politisieren, wo´s doch an anderer Stelle und von anderen um einiges kompetenter und sachkundiger betrieben wird.
Dennoch komm ich nicht darum herum, die Eindrücke der letzten Stunden Revue passieren zu lassen - im öffentlichen Raum des Web 2.0 (wenigstens darin besteht ein gewisser Themenbezug zum übrigen Inhalt dieses Weblogs).Martin Hieslmair, begeisterter und begeisternder Fotograf und Hobby-Dokumentar denkwürdiger Ereignisse wie dieses, hat mich dazu "ermutigt", dem Zeitgeschehen mit ihm ein wenig auf die Pelle zu rücken. So verbrachte ich die Momente um die ersten Hochrechnungn der vorläufigen Wahlergebnisse im Regierungsviertel unserer Stadt, insbesondere beim "Wahlgewinner" SPÖ.
Dort war - wie bei solchen Gelegenheiten üblich - die Creme de la Creme der Partei zu sehen, von Karl Blecha und Rudolf Hundstorfer über Josef Cap bis zum ehemals jüngsten Finanzminister der Republik, Hannes Androsch. Und natürlich wurde nach Bekanntwerden des vorläufigen Wahlergebnisses auch der SPÖ-Spitzenkanditat, Werner Faymann, feierlich empfangen.
Eine perfekte Inszenierung - in erster Linie für die Medien. Denn wenn man vor Ort ist, der mediale Rahmen bzw. Ausschnitt fehlt, wirkt alles halb so spektakulär. Und obwohl die SPÖ mit den meisten Stimmen als Sieger aus der Wahl hervor ging und sich auch gerne so feiern ließ, war in den Blicken Anderes zu lesen.
Besorgnis erregend ist das Ergebnis dieser Nationalratswahl allemal. Dabei mache ich mir weniger Sorgen um die österreichischen Sozialdemokraten. Auch ihr ehemals größter politischer Gegner, die ÖVP, entlockt mir kein Mitleid (letztendlich wurde da und dort bei der Inszenierung der Spitzenkandidaten ordentlich gepatzt).
Was wirklich tragisch ist, ist der viel zitierte "Ruck nach rechts". Machen wir uns nichts vor: Das vorliegende Ergebnis dieser Abstimmung über die künftige Zusammensetzung unseres Nationalrates ist nicht das Resultat vernünftigen Abwiegens rationaler Argumente zur Verbesserung der politischen Situation dieses Landes. Es darf bezweifelt werden, dass sich die "bürgerlichen" Rechts-Wähler die Wahlprogramme der FPÖ und des BZÖ gewissenhaft durchgelesen haben. Selbst wenn: Hier wurden ohnehin Ideologien angeboten, die vom wahlkämpfenden Redner möglichst direkt ins Blut der Zielgruppe gehen sollten.
Warum sieht es so aus, als wären im "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ) bis auf Peter Hojac (der sich lieber den biederen Namen "Westenthaler" gegeben hat) fast ausschließlich Funktionäre und Mitglieder aus Kärnten zu finden? Hier wird Regional-Patriotismus bedient, der gefährliche Tendenzen in die Richtung "wir sind wir, die anderen wollen wir hier nicht" beinhaltet.
Diese Ausgrenzungsmotive treiben viele Wähler auch ins Lager der "Freiheitlichen Partei Österreichs" (FPÖ), deren Gallionsfigur H-C Strache sich in seinen deftigen Reden dieser Empfänglichkeit für einen Rechtspopulismus bedient und fleißig darauf los hetzt. Immer wieder kommt es im Umfeld dieser Partei und ihres Anführers zu Anzeigen nach dem Verbotsgesetz (wie erst kürzlich bei einer Wahlveranstaltung), das er selbst übrigens gerne abschaffen würde.
Die politische Entwicklung, die wir zur Zeit erleben, entbehrt jeder Vernunft, ist unsympathisch und abstoßend und geprägt von ewig gestrigen nationalistischen Ideologien, die in einer sich stetig "globalisierenden" Weltgesellschaft und einem schrumpfenden Europa nur kurzfristig und oberflächlich begründbar sind: mittels Angst-Parolen, Panikmache und Menschenhetze, weil einfache Gemüter nunmal gerne zuerst an sich selbst und ihr unmittelbar begreifbares Umfeld denken, auch wenn sie von all dem Schrecken, der in wütenden Kampfreden bunt an die Wand gemalt wird, nicht im Entferntesten selbst betroffen sind.
Es ist bezeichnend, dass dieses Gedankengut am ehesten jene infiziert, die besonders unreflektiert über Politik, Gesellschaft und ihre eigene Stimmabgabe nachdenken: Nicht ohne grund wurde im Vorfeld darüber spekuliert, dass die Senkung des Wahlalters auf 16 vor allem den "Rechten" zu Gute kommen könnte.
Aber weil die Introspektion - die Selbstbeobachtung - keine sehr zuverlässige Methode ist, um einen Sachverhalt zu beschreiben, sei ein Blick auf jene Stimmen empfohlen, die von außen kommen, von wo aus man uns distanzierter beobachtet:
Unter dem Titel "Rechtsruck" in Österreich fasst ORF.at die Wahlbeobachtung "der Anderen" zusammen: Besorgt kommentiert man in der Welt den (gar nicht so heimlichen) Sieg der Rechten.
Desaster des alten Regimes titelt die "Süddeutsche":
http://www.sueddeutsche.de/,tt6m1/politik/99/312016/text/
Austria braced for right-wing surge heißt´s im "Guardian":
http://www.guardian.co.uk/world/2008/sep/28/austria.elections.strache
Far Right Surges In Austria Vote, Instability Looms prophezeit die "New York Times":
http://www.nytimes.com/reuters/world/international-us-austria-election.html?_r=1
Die Liste der Berichte, die die Besorgnis nach dem Ausgang dieser Wahl wiederspiegeln, ließe sich fortsetzen. Fakt ist: Das vorliegende Ergebnis kann nur als - gelinde gesagt - "Besorgnis errgend" bezeichnet werden. Verniedlichungen der gestärkten Parteien als "bürgerlich" täuschen über das Gefahrenpotenzial hinweg. Und es wird völlig egal gewesen sein, dass so mancher im Frust über die letzte "Große Koalition" seinem Protest fahrlässig durch FPÖ oder BZÖ Ausdruck verleihen wollte. Hätten diese Wähler nur lieber gebloggt...
Von Gregor T. um 01:27 1 Kommentare
Mittwoch, 10. September 2008
Schwebender Schwertransport
Seit Tagen lag ich auf der Lauer, dann ging´s plötzlich ganz schnell. Immerhin passiert´s nicht alle Tage, dass uns ein Kamov Ka-32 (Lastenhubschrauber) einen Besuch abstattet.
Um eine neue Leuchtreklame am höchsten Punkt der Stadt zu montieren, flog HB-ZFX ein, ein spezieller Transporthubschrauber der Firma Heliswiss vom Typ Kamov Ka-32 A12. Das Besondere an diesem Helikopter ist weniger seine (nicht übermäßige) Größe, sondern viel mehr die komplizierte Mechanik eines gegenläufigen Doppelhauptrotors, der gleichzeitig für mehr Auftrieb und Stabilität sorgt - zwei wesentliche Aspekte, wenn´s darum geht, schwere Außenlasten im Schwebeflug punktgenau zu platzieren.
Es handelt sich jedenfalls um ein nicht alltägliches Vehikel, dessen "Auftritte" sich Enthusiasten nur ungern entgehen lassen. Auch ich schwang mich also blitzschnell aufs Fahrrad, als ich den Hubschrauber vom Fenster aus anfliegen sah (oder besser: hörte). Bepackt mit Fotoapparat und Videokamera radelte ich in den nahegelegenen Donaupark, wo am Fuße des Donauturms - zwischen den Bäumen geparkt - schon der Ka-32 auf seine Mission wartete.Alle Fotos: flickr.com/photos/gregvie/sets/72157607194553592/
Das Resultat seines Einsatzes sind - neben der erfolgreichen (aber nicht unproblematischen) Montage des Riesenlogos - etliche nette Fotos und ein "Action-Video". Und dass auch ich nun - spät aber doch - einen Account bei Flickr habe.
Hier die kurze Version des Videos vom gestrigen Montageflug (ca. 4 Min.):
Wer mehr sehen will: Hier gibt´s Teil 1 und Teil 2 des insgesamt ca. 18-minütigen Clips auf YouTube.
Von Gregor T. um 15:48 0 Kommentare