Dienstag, 2. Dezember 2008

Nagelneue Regierung in Österreich

Österreich hat einen neuen Bundeskanzler - und einige neue Minister, die fortan die Bürger dieses Landes und ihre Interessen vertreten sollen.

Verabredet zum "Regierungschauen" traf man sich heute am Ballhausplatz im Herzen Wiens. Allerdings nur spärlich: Der größte Andrang herrschte seitens der Medien, interessierte oder nur neugierige Schaulustige musste man genau suchen. Und von Demonstrationen oder Anti-Regierungskundgebungen - wie man sie an selber Stelle auch schon erlebt hatte - war weit und breit nichts zu sehen. Alles in allem also eine unspektakuläre Veranstaltung nach Protokoll und für die Medien.

Ein persönliches Highlight gab´s trotzdem, denn in richtiger Begleitung (und nach einigermaßen gründlicher Kontrolle der Personalien) war ich plötzlich mitten drinnen, statt nur dabei: Regierung Backstage.


[In höherer Qualität auf YouTube ansehen]



Sachliche Darstellungen, perfekt in Szene gesetzte Eindrücke und jede Menge Informationen rund um "Rot-Schwarz neu" finden sich an anderer Stelle, zB.:

ORF.at:
http://www.orf.at/081202-32355/index.html

Kurier.at:
http://kurier.at/nachrichten/276150.php

Nachrichten.at
:
http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/innenpolitik/art385,78718

diePresse.com
:
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/434463/index.do

derStandard.at
:
http://derstandard.at/?url=/?id=1227287488454

WienerZeitung.at
:
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4753&cob=385322

Krone.at
: http://www.krone.at/krone/S25/object_id__124207/hxcms/index.html


Internationale Medien:

sueddeutsche.de:
http://www.sueddeutsche.de/,ra1l1/politik/216/449940/text/

Zeit.de:
http://www.zeit.de/news/artikel/2008/12/02/2675050.xml

news.bbc.co.uk:
http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/7760921.stm

Sonntag, 9. November 2008

Herbstzeit ist Bastelzeit

Der Herbst ist traditionell die Zeit häuslicher Indoor-Aktivitäten. Umso mehr, je näher Weihnachten rückt und es sich anbietet, das eine oder andere Präsent zu basteln.

Wer selbstbemalte Kaffeetassen, eigenhändig getöpferte Aschenbecher, vermeintlich altmodische Fotoalben oder exklusiv entworfene Gutscheine für private Dienstleistungen jeglicher Art mit der Zeit langweilig findet, der könnte doch mal soetwas wie "Klangstufen", ein Telefon für Zimmerpflanzen oder ein elektronisches Schlagzeug basteln.

[http://www.adafruit.com/]

OpenSource - und einigen findigen Entwicklern - sei Dank gibt es für diese (und viel mehr) Zwecke "offene" Hardware. Und wer in der Web-Community der Do-It-Yourself-Experten (DIY) noch keinen fertigen Bauplan findet, kann mit Arduino einfach selbst ein paar Hardware-Controller entwerfen.

In der letzten Ausgabe von WIRED bin ich über einen interessanten Artikel gestolpert, der erst nach und nach meine Aufmerksamkeit und mein Interesse geweckt hat. Darin ist von einer "OpenSource Hardware"-Bewegung die Rede, was für sich genommen ziemlich "freaky" klingt. Tatsächlich ist das Konzept dahinter so einfach wie genial, wie WIRED-Chefredakteur und Autor von "The Long Tail" Chris Anderson mit selbst gebauten Autopiloten für unbemannte Fluggeräte beweist:

Kostenlose Software herunterladen, fertige Baupläne für Platinen kopieren und nach Laune und Bedarf modifizieren, anschließend die bisweilen noch virtuelle Hardware in China für rund 10 Dollar bauen lassen oder lediglich die elektronischen Bausteine beziehen - fertig ist die eigene Platine für ganz spezielle Anforderungen. Die erfolgreichen Konstruktionen zum Ansteuern unterschiedlichster Hardware (Sensoren, Servos, ...was immer man braucht, um ein spezifisches Problem zu lösen - oder auch nur, um ein Modellflugzeug autonom durch die Luft navigieren zu lassen) können unter der Creative Commons-Lizenz anderen Usern zur Verfügung gestellt oder kommerziell von spezialisierten Dienstleistern wie Adafruit vertrieben werden.

Letztendlich steckt mehr hinter Arduino als ein riesiger Spielplatz für Bastler und Ingenieure. Was auf den ersten Blick nach einem selbstlosen Projekt idealistischer Technik-Freaks aussieht, hat durchaus auch kommerzielles Potenzial.

Auf die Marke kommt´s an. Daher ist der Markenname Arduino eingetragen und darf nur gegen eine (angeblich geringe) Lizenzgebühr für den Vertrieb besonders hochwertiger Konstruktionen verwendet werden. Mit den Qualitätsprodukten verbreitet sich die Marke und steigt ihr Wert. Davon profitieren dann vor allem die drei Mitglieder des Arduino-Teams Gianluca Martino, Massimo Banzi, und David Cuartielles, die allesamt in der Technologieentwicklung tätig waren oder weiterhin sind. Diese schöpfen wiederrum aus dem Know-How ihrer eifrigen Community, verwenden und verkaufen Entwicklungen im Rahmen ihrer eigenen Produkte. Im eigenen Haus nicht annähernd so viele Entwickler anzustellen, die nur einen Bruchteil dessen bewältigen könnten, wäre ungleich teurer.

Zudem kommt ein bekannter OpenSource-Effekt zu tragen: eine ständige Qualitätskontrolle und Weiterentwicklung bestehender Hardware-Controller. Was also aussieht wie ein teures Hobby verträumter Techniker, entpuppt sich als über Umwege überaus rentables Innovationsprojekt.

Als reiner Nutzer dieser und jener Hardware würde man sich solche "offenen" Mechanismen (letztendlich einfachster Feedback-Schleifen) öfters wünschen, um nicht mit Ausgeburten (ja, ich formuliere es bewusst so) wie den neuen MacBooks belästigt zu werden.

Apropos OpenSource: Weil pure Elektronik selten attraktiv ist, wird sie meistens in hübschen Hüllen versteckt. Vor allem dann, wenn man seinen selbst konstruierten Prototypen möglichen Geschäfts- und Vertriebspartnern vorstellen möchte. Aber auch die selbst entworfene Weihnachtselektronik will einigermaßen ansehnlich daherkommen.

[http://www.desktopfactory.com/our_product/]

Wenn´s schnell und am besten von zuhause aus gehen soll, könnte man zur Herstellung schicker Polymerhüllen zu einem "gewöhnlichen" 3D-Drucker (Prototyper) greifen. Der Desktop Factory 3D printer - kaum größer als ein Farblaserdrucker - soll knapp 5.000 US-Dollar kosten und wäre nach eigenen Angaben somit die günstigste kommerzielle Lösung am Markt.

[http://www.reprap.org]

Wenn Kostenersparnis, nicht aber Bequemlichkeit, oberste Priorität haben, empfiehlt sich der Blick auf die OpenSource-Variante eines 3D-Druckers, dem "Replicating Rapid-prototyper" oder kurz: RepRap. Das besonders Praktische - und gleichzeitig etwas Unheimliche - daran ist seine exklusive Fähigkeit, sich selbst zu reproduzieren: "So, if you have a RepRap machine, you can make another and give it to a friend...", heißt´s auf der Website. Mit etwas Glück findet man einen RepRap in der Nähe - zum Staunen oder Ausprobieren.

Angeregten Bastelstunden in der nahenden Vorweihnachtszeit steht also nichts mehr im Weg - am besten mit Freunden, denen man nebenbei einen 3D-Drucker baut.

Samstag, 4. Oktober 2008

Web 2.0 Professional

Bisher galt das "Mitmachweb" vor allem für Amateure und ambitionierte Schreiber, Filmer, Fotografen oder exhibitionistisch veranlagte Jugendliche auf der Suche nach Anschluss als schier unerschöpfliche Spielwiese.

Nun machen die "Professionals" ernst - und zwar nicht nur auf Social-Networking-Plattformen wie Xing. Wie die Futurezone berichtet, schlossen sich namhafte Musiker und Bands (David Gilmour, Iron Maiden, Radiohead, Robbie Williams, Travis und andere) zusammen, um die Featured Artists Coalition zu günden - eine gemeinsame Künstlerplattform zur Wiedererlangung von Kontrolle und Urheberrechten:

"We believe that all music artistes should control their destiny because ultimately it is their art and endeavours that create the pleasure and emotion enjoyed by so many."
[Quelle: http://www.featuredartistscoalition.com/our_charter.html]

Mehr Informationen über - und Einfluss auf - die Verwertung ihrer Werke sowie einen größeren Anteil an den enormen Einnahmen, die mit ihrer Musik erzielt werden, sind die Ziele dieser "Musiker-Gewerkschaft".

Es war nur eine Frage der Zeit, bis jene, die der Musikindustrie glaubwürdig mit der unabhängigen Vermarktung ihres geistigen Eigentums drohen könnten, einen Schritt in diese Richtung setzen. Digitale Medien, eine wachsende Web-Community, größer werdende Bandbreiten bei gleichzeitig sinkenden Zugangskosten begünstigen diese Entwicklung seit langem.

Wenn Hobby-Musiker auf MySpace, Facebook, YouTube & Co. treue Fans gewinnen, warum sollte es nicht erst recht den schillernden Marken wie "Bryan Ferry" möglich sein, ihre Fangemeinde (Community) online zu versorgen? Radiohead, Saul Williams und Nine Inch Nails haben bereits überaus erfolgreich mit unabhängigen Vertriebsmöglichkeiten, die das Web bietet, experimentiert (http://futurezone.orf.at/it/stories/231394/). In Kombination mit der sozialen Komponente des Web 2.0 sind diese Möglichkeiten mit einer bloßen Band-Website bei weitem nicht ausgeschöpft.

So speziell also die haptische Erfahrung sein mag, das aufwendig gestaltete Case einer Musik-CD in Händen zu halten, zu öffnen, das Hochglanz-Booklet durchzublättern, so sehr wird sie in einem von MP3-Playern dominierten Markt an den Rand gedrängt.

Für mich ist es fast verwunderlich, dass die Großen der Branche sich noch von Musikverlagen abzocken lassen, was ich in erster Linie auf Tradition und Bequemlichkeit zurückführe. Denn mit den Mitteln, die im Web zur Verfügung stehen, und mit dem Know-How der Community ist es nur ein kleiner weiterer Schritt zum Musiker als selbstverantworlichen Unternehmer (im kollegialen Netzwerk), der seinen Preis selbst bestimmt und verdient, was ihm zusteht. Letztendlich würden wahrscheinlich auch wir Musik-Konsumenten davon profitieren, dass die Preise durch das Wegfallen teurer Vertriebswege (CD-Produktion, Distribution und Vermarktung) sinken.

Eine neue Systemstruktur des Music Business 2.0 könnte außerdem neuartige Feedback-Schleifen etablieren und die Interaktion zwischen Künstler und Konsumenten fördern, weit über Download-Zahlen und Zugriffsstatistiken hinaus. Deshalb, finde ich, sollte man diese Entwicklung fördern und dadurch dem musikalischen Raubbau durch multinationale Vermarktungskonzerne Einhalt gebieten.