Sonntag, 5. April 2009

Wiener Hofburg: "World Pillow Fight Day 2009"

Da flogen die Fetzen am "World Pillow Fight Day 2009", der auch in Wien in Form eines Flashmobs stattfand.

04. April 2009, ca. 14:45 Uhr: Per Web 2.0 haben sich Dutzende am Maria-Theresia-Platz verabredet, um gemeinsam den "World Pillow Fight Day 2009" zu begehen. Dort sollte der Ort des eigentlichen Schlachtfeldes bekannt gegeben werden. Mit Polstern ausgerüstet, ging's also weiter.

Die "Organisatoren" der Polsterschlacht haben sich eine exklusive Location ausgesucht: Ziel des Konvois bestens gelaunter Flashmobber war der Josefsplatz im Innenhof der Hofburg. Dort fand man sich ein, um - in zwei Gruppen geteilt - hinter dem Reiterdenkmal Kaiser Josephs II. Stellung zu beziehen. Wenige Momente später stürmten die beiden Gruppen mit Gebrüll aufeinander und ließen die Fetzen fliegen. Aber ordentlich...

[ Größer: http://www.youtube.com/watch?v=XuKtOxEUhao&fmt=18 ]

... bis ein Organ der Exekutive nach rund 20 Minuten einschritt. Danach begann das Aufräumen mithilfe mitgebrachter Besen und Müllsäcke - wollte man doch betont positiv wirken.

Der Mob ist gelungen, etliche Polster fanden im Innenhof der Wiener Hofburg ihre ruhmreiche letzte Ruhe, Tausende Federn säumten das historische Pflaster. Lediglich das hohe Verhältnis der Teilnehmer zu den Beobachtern des Events wirkte ein wenig befremdlich für einen (wenn auch nur scheinbar) spontanen Flashmob: Etliche Hobby-Filmer und -Fotografen (wie wir) hatten sich eingefunden, um das Spektakel gebührend zu dokumentieren.

Entsprechend groß ist die Resonanz im Web, sodass es (demnächst wahrscheinlich) genügend Möglichkeiten gibt, mehr über die möglicherweise erste Polsterschlacht in der Gerschichte der Hofburg zu erfahren.

Nachlesen / -sehen:

  • www.him.at/2009/04/04/polsterschlacht-in-der-hofburg
  • www.flickr.com/photos/vizzzual-dot-com/sets/72157616374528764
  • www.youtube.com/watch?v=_hs-uJi11GY
  • nallevalle.twoday.net/stories/5626619
  • www.youtube.com/watch?v=kdRX1AQfefM
  • www.youtube.com/watch?v=BHaMrHroxW0
  • www.youtube.com/watch?v=0lSJ6q4vWX8
  • www.youtube.com/watch?v=BRn_a2YV59Q
  • www.kurier.at/multimedia/bilder/309063.php

  • Mittwoch, 18. März 2009

    Diskussion: Der Untergang der Qualitätspresse?

    Quote vor Qualität? Ist qualitativer Printjournalismus am Ende? Gibt die fortschreitende Kommerzialisierung gerade in Krisenzeiten etablierten Qualitätsmedien den Rest?

    Diesen und anderen Fragen widmeten sich am Abend des 17. März 2009 fünf Experten der Medien- und Nachrichtenbranche im "Neuen Institutsgebäude" (NIG) der Universität Wien im Rahmen einer Podiumsdiskussion (Moderation: Elisa Vass von Ö1). Bei freiem Eintritt lauschte ein interessiertes Publikum dem Journalist und Autor Nick Davies (Guardian, "Flat Earth News"), Journalist Joachim Riedl (DIE ZEIT), Medienwissenschaftler Fritz Hausjell (Uni Wien) und Nachrichtenmoderator Armin Wolf (ORF) sowie Chefredakteur Atha Athanasiadis (NEWS).


    So kurz war eine Stunde noch nie: Die "Keynote" - bzw. das Impulsreferat - von Nick Davies über den Inhalt seines Buches "Flat Earth News" in wunderbarem britischen Englisch erschien keine Sekunde zu lang. Im Gegenteil: Ich denke, der Großteil des Publikums im völlig überfüllten Hörsaal 1 hätte dem extra angereisten Briten bedeutend länger zuhören können, als es der Zeitplan vorsah.

    Eine seiner Kernaussagen lautete: Immer weniger Journalisten müssten aufgrund des gestiegenen Gewinndrucks durch neue Verlagseigentümer immer mehr an Inhalt produzieren. Dieser Zeitdruck führe zunehmend dazu, dass die vermeintlichen Fakten ungeprüft von Nachrichten- und PR-Agenturen übernommen würden. Davies illustrierte seine Aussagen mit einigen eindrucksvollen Beispielen aus den USA und Großbritannien.


    Die anderen Diskutanten hatten es entsprechend schwer, das Auditorium nach Nick Davies' Eingangsrede auf dem selben Niveau zu unterhalten - geistreich, fachlich und trotzdem zum Schmunzeln oder Lachen. Dennoch wurden die Erwartungen nicht enttäuscht. Nicht zuletzt das aufkeimende "NEWS-Bashing" (Armin Wolf) sorgte für den nötigen Zündstoff, der die Diskussion zeitweise über-belebte.


    Was bleibt, sind düstere Prognosen jener, die sich lange genug professionell und wissenschaftlich mit der Materie beschäftigen. Diese bewegen sich zwischen den Polen "teure Eliten-Presse mit Charakter" und "öffentlich-rechtliche Medien für alle". Dabei stehen uns (Medienrezipienten) die schlechten Zeiten noch bevor, wenn traditionelle Geschäftsmodelle etablierter Medien endgültig versagen. Denn einigermaßen Einigkeit herrscht darüber, dass sich mit Nachrichten aus aller Welt in gedruckter Form künftig noch schlechter Geld verdienen lassen wird.


    Zum Abschluss des Diskussionsabends kam die eine oder andere Frage aus dem Publikum. Bemerkenswert dabei war eine getwitterte Zwischenfrage, gestellt via "RBrf" von "Matthias_Cremer". Auch Weblogs wurden in einer Randbemerkung erwähnt und in einem Nebensatz erklärt, warum sie dem Qualitätsjournalismus nur bedingt unter die Arme greifen können: Ihnen fehlt schlichtweg die massenmediale Breitenwirksamkeit.

    Nachhören /-lesen /-sehen

    Sollten sich im Web weitere Aufzeichnungen audiovisueller Art finden, werde ich die Links dazu hier platzieren.

    Siehe auch:

  • Ö1 Mittagsjournal:
    Nick Davies: Qualitätsjournalismus bedroht

  • Christian Tawfik:
    Nachrichten oder NEWS - Entweder oder?

  • Martin Blumenau / FM4:
    Journal '09: 18.3.

  • Herrn Bs Blog:
    Ausverkauf der Qualität - Steht journalistischer Anspruch vor dem Ende?

  • DoggX Blog:
    Düstere Aussichten für Qualitätsjournalismus

  • derStandard.at:
    Zukunft der Qualitätsmedien - Davies: Es geht schlicht um die Wahrheit

  • ots.at / ORF:
    "ORF-DialogForum": Kommerz statt Qualität?

  • Schade


    Der ORF als Co-Veranstalter (gemeinsam mit DIE ZEIT und der Universität Wien) sah sich leider noch nicht im Stande, den Abend live im Web zu streamen. Auch die Verfügbarkeit einer Aufzeichnung wurde nicht angekündigt, was aus meiner Sicht die einzige Enttäuschung des Abends darstellt.

    Andererseits hätte einer von uns Publikumsgästen die verfügbare Infrastruktur (gratis WLAN für Studierende) dazu nutzen können, die Diskussion zB. über BlogTV in die Wohnzimmer der Daheimgebliebenen zu tragen...

    Montag, 16. Februar 2009

    Telekom Austria und der YouTube-Upload

    4 Kilobyte pro Sekunde. Das bedeutet, mein ca. 80MB großes Video benötigt rund 4,5 Stunden für seinen Weg zu YouTube - mit meinem Telekom Austria-Anschluss.

    Vor einiger Zeit bin ich als langjähriger (und daher leidgeprüfter) TA-Kunde auf das verlockende Angebot des KombiPakets umgestiegen: Festnetz & Internet zu einem einigermaßen günstigen Preis. Soviel zum Hintergrund des Phänomens:

    Mysteriöses geht vor sich, sobald ich versuche, über meinen regulären Internet-Anschluss des "Ex-Monopolisten" Telekom Austria (Aon) eine Videodatei auf YouTube zu laden. Nicht, dass es sich dabei um lebenswichtige, unbedingt notwendige und keinesfalls entbehrliche Online-Aktivitäten handeln würde. Aber es fällt auf, dass etwas mit der Internet-Verbindung dorthin nicht stimmen könnte, obwohl sowohl Anschluss als auch mein Router (ein SpeedTouch 546 mit der Firmware v.5.4.0.14) sonst problemlos funktionieren. Einzig eine VPN-Verbindung in ein anderes Netz schafft Abhilfe, sodass ich Aon umgehe und mit normaler Geschwindigkeit (in meinem Fall ca. 42 KB/s) Dateien aufs Videoportal lade.

    Uploads auf Flickr laufen auch über Aon gewohnt schnell. Auch Panoramio saugt meine Bildchen flott von der Platte. Und mit allen anderen Uplaods über Webbrowser (zumeist über das HyperText Transfer Protocol HTTP) gab es auch nie derartige Probleme. Was also passiert, wenn ich Videodateien per HTTP auf YouTube lade, dass mein Upstream auf durchschnittlich 4 bis 6 KB/s herab fällt?

    Neugierig und von Natur aus skeptisch, fragte ich beim allgemeinen technischen (!) Support von Aon nach, wie denn der Geschwindigkeitsunterschied erklärbar sei. Dieser verwies mich kurzerhand auf die kostenpflichtige "Computer-Helpline", die sich mit der "Sonderkonfiguration" meines Anschlusses für 1,56 Euro pro Minute auseinandersetzen würde.

    "Sonderkonfiguration"?

    Ein Blick in meine Router-Konfigurationsdatei zeigt keinerlei Auffälligkeiten, wie explizit blockierte oder niedrig priorisierte IP-Adressen oder Hostnamen. Nichts deutet darauf hin, dass eine Änderung der Konfiguration (die für alle Sites außer YouTube zu funktionieren scheint) mehr Probleme lösen als verursachen würde. Also lasse ich die Finger davon...

    ... und erinnere mich an einen Fall aus den USA, von dem ich in Wired gelesen habe (Wired 17.02, Feb. 2009, S. 54ff). Dort hat ein Filesharing-Nutzer ähnliches festgestellt: Sein Provider Comcast schien Uploads in das P2P-Filesharing-Netz Shareaza zu blockieren. Heftigen User-Protesten und einer intensiven Medienberichterstattung folgten schließlich sogar Hearings vor der Federal Communications Commission (FCC).

    Dass die Netzneutralität tatsächlich gefährdet ist, zeigt nicht zuletzt die Nachahmung durch Cox Communications, die sich nach Comcast ebenfalls dazu entschlossen hat, über Wichtigkeit und Unwichtigkeit von Traffic zu urteilen und bei Bedarf entsprechend auszubremsen.

    Was also tun?

    Zurück also ins kleine, überschaubare Austria, das unter der TA-Dominanz möglicherweise Gefahr läuft, ebenfalls etwas von der Neutralität des Datenverkehrs einzubüßen. Denn ich halte es für unwahrscheinlich, dass meine lokale Hard- und Software (-Konfiguration) dafür verantwortlich ist, dass lediglich der Upload auf YouTube so langsam geht, dass es de facto zwecklos ist, auch nur den kürzesten Clip bereit zu stellen. Dabei muss man den Sachverhalt auch aus der Sicht der Telekom Austria betrachten, die ihrerseits versucht, sich als alternativer TV-Anbieter (AonTV) zu etablieren. Vielleicht will oder muss man vermeiden oder es wenigstens erschweren, dass die per ADSL gestreamten urheberrechtlich geschützten Inhalte mit einem Klick direkt auf YouTube wandern?

    Sobald die offenbar recht knappen Ressourcen des Googles Measurement Lab es mir erlauben, werde ich versuchen, meinen Anschluss auf Neutralität zu untersuchen und bin gespannt auf das Ergebnis. Bis dahin harre ich der weiteren Entwicklung, bewege mich wachsamen Auges durch die Wirren des Cyberspace - und muss mich wohl zum Upload auf YouTube weiterhin alternativer Internet-Anbieter bzw. Netzwerke bedienen.