Oder gesehen, gelesen, erfahren? Mundpropaganda wirkt - außerhalb des Netzes und innerhalb. Das macht sich die Werbung zu Nutze - aber...!
Wer kennt es nicht? Ein guter Freund oder Bekannter teilt seine durchwegs positive Erfahrung mit einer Dienstleistung oder einem Produkt. Und sobald man vor dem selben Problem steht, nämlich vor einer wichtigen oder teuren Investition (von Zeit, Geld oder Aufmerksamkeit), erinnert man sich prompt an die explizite oder implizite Empfehlung dieser - mehr oder weniger - vertrauenswürdigen Person: Mundpropaganda.
Heute, und vor allem im Zusammenhang mit dem Web 2.0, hört dieses banale Phänomen auf den klingenden Namen "virales Marketing". Dabei handelt es sich doch lediglich um eine durch die technologische Entwicklung beschleunigte Form des guten, alten Weitererzählens. Oder...?
Oder "Branded Entertainment" als "neue Form inhaltlich integrierter Werbung [...], bei der die Werbebotschaften in unterhaltenden und qualitativ hochwertigen Medieninhalten jeglicher Art [...] eingebettet und vom Rezipienten aktiv ausgesucht werden" (Guido Zurstiege, 2007, S. 145) - aus dieser Sicht eine Weiterentwicklung der Mundpropaganda auf subversiver Ebene, die dem multimedialen, interaktiven Web schon eher gerecht wird.
So gesehen, ist das Web 2.0 mit all seinen Möglichkeiten der sozialen Interaktion das ideale Instrument für eine effiziente Mundpropaganda - wie immer man sie nun nennen möchte.
Anders gesehen: Ist das Web 2.0 nicht eher - oder zumindest auch - ein Produkt dieses sozialen Phänomens des Weitererzählens und Empfehlens? Gerade bei einer wachsenden Fülle an neuartigen Services (und ihren noch nicht entdeckten Anwendungsmöglichkeiten) sind wir User doch froh darüber, auf die eine oder andere Empfehlung zurückgreifen zu können. Und wer weiß besser bescheid als jene, die schon damit vertraut sind, und die wir im Netz finden?
Ich glaube, mit dieser banalen Erkenntnis kratzt man an der Basisstruktur des Web 2.0 als "social network": Weitersagen und weiterempfehlen, ob Informationen (live während der Apple Keynote), Produktbewertungen oder auch nur die - sich beinahe minütlich ändernde - persönliche Befindlichkeit.
Interessant wäre, wie sich die real-sozialen Strukturen von Bezugsgruppen (oder Peer groups, also Gruppen aus "Weitersagern") in die virtuellen Sphären übertragen - und in wie weit sie ähnlich funktionieren wie draußen, im "wahren Leben". Möglicherweise ist diese scheinbar banale Funktion sozialer Netzwerke bedeutungsvoller, als man auf den ersten Blick vermutet. Oft sind die simplen Dinge die faszinierendsten.
Mittwoch, 16. Januar 2008
Schon gehört?
Von Gregor T. um 10:46 0 Kommentare
Montag, 14. Januar 2008
Neues Jahr, neue Küche (3)
Endspurt, und Zeit wird´s, dass sich diese paar Quadratmeter, die für einen der wichtigsten Bereiche der (österreichischen) Kultur reserviert sind, endlich mit Küche füllen.
Nach etlichen Arbeitsstunden vieler fleißiger Helferlein, ohne die wir heute noch vor den Trümmern der Entrümpelung säßen, ist es soweit: Das Ziel nähert sich definitiv.
Die Möbel stehe auf ihrem Platz - und machen sich ganz ausgezeichnet dort. Die Geräte sind eingebaut und funktionieren! Und wir haben tatsächlich alles wie geplant auf winzigstem Raum untergebracht - was ich erst glaube, als ich´s tatsächlich sehe.
Also war es gestern an der Zeit, Abschied zu nehmen von den kahlen Wänden und den letzten Spuren der Bauarbeiten. Aber ich sage: LEICHT ist das Verfliesen nicht, und schon gar nicht das Zuschneiden (oder eher "Zubrechen") der spröden Keramik, die allzu leicht splittert und damit das Potenzial hat, einem den letzten Nerv (nicht nur im Handgelenk) zu rauben.
Dafür sieht die Sache am Ende nett aus - hoffen wir! Denn der allerlerzte Schliff in Form der passenden Fugenmasse fehlt uns noch zum Küchenglück. Dann nochmal alles auf Hochglanz bringen - und fertig wird sie sein, die neue, lange herbei gesehnte Küche. Und herzeigbar...
Wen´s nicht interessiert (und die Zugriffszahlen sprechen für ein eher geringes Interesse an der Entstehung unserer neuen Küche), der darf - bitte, bitte! - weiterhin auf möglicherweise interessantere Beiträge zum Phänomen Web 2.0 und über meine Erkundungsreise durch jenes hoffen.
Von Gregor T. um 10:35 0 Kommentare
Mittwoch, 9. Januar 2008
Zeig mir deine Freunde...
... und ich sag dir wer du bist. Ein Spruch aus der Antike erhält in der digitalen Allgegenwart eine neue Bedeutung.
Wenn virtuelle und reale Wirklichkeiten zunehmend eins werden und die Grenzen an Durchlässigkeit gewinnen, stellt sich die Frage, in wie weit völlig gewöhnliche gesellschaftliche Phänomene, die wir tagtäglich beobachten können und auch selbst reproduzieren, in diesen vermeintlich neuen - scheinbar unwirklichen - Welten Fuß fassen.
Wenn die Technik immer mehr in den Hintergrund tritt und der Umgang mit ihr - auch aufgrund einer angepassten Medienkompetenz der Menschen - zur Selbstverständlichkeit wird, bleibt mehr Spielraum für Menschliches, ohne über den nächsten Tastendruck oder notwendige Befehlseingaben nachdenken zu müssen.
Es ist, denke ich, eine Eigenheit des modernen Menschen, sich jener Materialien zur Bildung und Aufrechterhaltung seiner eigenen Identität zu bedienen, wovon es in seiner Umgebung genügend gibt und die allen anderen gleichermaßen zugänglich sind: andere Menschen.
Symbole der Zugehörigkeit und Abgrenzung sind die Bausteine komplexer Gesellschaften. Symbole sind Handlungen, sind Kommunikation. Diese Kommunikation gewinnt umso mehr an Bedeutung, je alltäglicher vermittelte Wahrnehmungen werden, wie wir sie erleben, wenn wir durch User-Profile blättern, Videos sehen oder in irrealen Landschaften neue Gesellschaftsformen kennen lernen.
Diese Menschlichkeit des (sozialen) Webs - wobei der Begriff des World Wide Web in seiner ursprünglichen Bedeutung vielleicht nicht mehr anwendbar ist auf ein sich öffnendes Netz aus vielschichten Verflechtungen unterschiedlichster Services - drückt sich auch dadurch aus, dass man sich seiner selbst nicht mehr nur durch die bloße Visualisierung von Kontakt-Netzwerken vergewissert. Man zeigt - nicht zuletzt sich selbst - die Freunde, die man hat: auf (idealerweise "ge-tagten") Fotos. So wird sichtbar, wer hinter den sonst uniformen Kontakt-Links steckt. Und mit einem Klick auf die abgebildeten Personen gelangt man an deren Hintergrundinformationen - und an ein weiteres (bildhaftes) Netzwerk.
So werden Freunde auch im Web 2.0 zu einem effektiven Medium der eigenen Identität - viel intuitiver als nur in textueller Link-Form. Und sie helfen wieder bei der gegenseitigen Identifizierung - fast so wie im "richtigen" Leben. Nur eines bleibt: Für die hübschen Fotos mit den Vertretern seiner Peergroup muss man weiterhin ins "echtere" Leben.
Von Gregor T. um 22:25 2 Kommentare
