Noch nie war es so leicht, an die Meinung der Menschen zu kommen. Ganz ohne aufwendige Umfragen.
Wer was zu sagen hat (und glaubt, dass es irgendjemanden außer ihn oder sie selbst interessiert), schreibt Weblogs oder serviert seinen Senf in Form mehr oder weniger interessant ausgefeilter Forumspostings.
Zur absoluten Meinungsschleuder könnte sich meiner bescheidenen Auffassung nach das Microblogging-Service Twitter (und seine Konkurrenten wie Pownce oder Jaiku) entwickeln. Aus zwei Gründen könnten diese Microblog-Einträge wertvolle Äußerungen enthalten:
Ihr Inhalt ist stark begrenzt. Mit rund 150 verfügbaren Zeichen lässt sich nicht viel schwafeln, wenn man zB. etwas im Web entdeckt und seine Meinung darüber äußern möchte. Das muss knapp und bündig und aufs Wesentliche beschränkt hinaus in den virtuellen Äther.
Und zweitens lässt sich so ein Eintrag mittels Widget ganz schnell zwischendurch machen, ohne auf der Website einloggen zu müssen. Es geht also schnell und unkompliziert - im Idealfall unmittelbar nach Eintreten des Geistesblitzes, von dem berichtet werden soll.
Wer einen Blick auf die "Timeline" von Twitter wirft und die Seite ein paar mal neu lädt, wird staunen ob der Update-Frequenz der Beiträge. Bei dieser Fülle ist es schwierig, relevante / interessante Äußerungen der Community zu entdecken.
Daher machen sich findige Entwickler langsam dran, die Twitter-Feeds automatisch zu filtern: Tweetmeme.com zeigt vor allem, wohin in den Twitter-Nachrichten gelinkt wird, so ähnlich wie´s Twitterlinks versucht.
Auf social bookmarking hat sich ein Service namens deliciousspy spezialisiert, der in Echtzeit gerade hinzugefügte Webadressen darstellt. Zusätzlich kann man sich mittels Filter aufdas Auftreten bestimmter Schlagworten aufmerksam machen lassen.
Zugegeben: Weblogs sind einfacher zu durchsuchen und zu filtern, schon alleine weil sie in gemächlicherem Tempo daherkommen. Twitter & Co. generieren aber spontanere (authentischere / weniger elaborierte) Statements ihre User (Konsumenten), auf die künftig ein Auge geworfen werden sollte, wenn man Trends und Meinungen auf die Spur kommen möchte, denke ich.
Mittwoch, 30. Januar 2008
Meinung machen, haben, sagen
Von Gregor T. um 23:25 0 Kommentare
Dienstag, 29. Januar 2008
Ich versteh´s nicht
Unzufriedenheit und Kopfschütteln wohin man blickt. Und alles bleibt schlechter.
Immer wieder mokieren sich kluge User über die Geschäftsgebarung und Entwicklungsinteressen der social networks, insbesondere von StudiVZ. Nutzer und Beobachter klagen über scheinbar bewusst verstecke Datenschutz-Einstellungen, und die Aufregung über geänderte AGBs der Plattform war groß.
Ich versteh´s nicht. Von wegen "Web 2.0" und User-Empowerment. Von wegen user generated content. Offenbar war meine bescheidene Analyse eines Web-2.0-Dilemmas zu optimistisch, denn trotz einer enormen Dynamik nicht immer zu Gunsten der Content-Lieferanten (= User) ändert sich nicht viel.
Am spannendsten dürfte für viele noch das "Duell des Jahres" - StudiVZ vs. Facebook - sein. Oder dass es bald noch mehr "Applications" für die eine oder andere Social-Networking-Plattform geben wird - die keiner wirklich braucht, auch nicht am Ende des "Long Tails". An Kreativität mangelt es den Service-Betreibern wie den Nutzern gleichermaßen. Was bleibt, ist just more of them.
Ich verstehe nicht, warum Nutzer sich nicht von den Services emanzipieren und sie zur Abwechslung nicht zum Vorteil der Betreiber oder der (Werbe-) Wirtschaft nutzen, sondern zu ihrem eigenen. Sich wirklich vernetzen und sich das "Web 2.0" nicht nur vorgaukeln lassen. Abwandern und eines ihrer multiplen Profile abschalten, um anderorts ihren Content in Form persönlicher Daten abzuliefern - an einem virtuellen Ort ihres Vertrauens. Oder warum sie nicht selbst initiativ werden, zB. indem sie ihre eigene Community-Site gründen.
Nichts dergleichen, nicht einmal annähernd, passiert. Stattdessen wird kopfgeschüttelt und sich aufgeregt, protestiert und gejammert, beschuldigt und den Betreibern Profitgier vorgeworfen. Danach brav einloggen und Kontakte checken.
Die "Allmacht" der User ist nur in der Werbung fürs Web 2.0 zu erkennen. Tatsächlich ist sie eine Utopie, geschicktes Marketing der Wirtschaft, die es sich leicht macht: Statt mit der Werbung zu den Leuten zu kommen, locken sie die Leute zur Werbung. Web 2.0 sei Dank. Und gegen den Frust nach gebrochenen Versprechen gibt´s tolle Widgets, Badgets und Applikationen - die wirklich niemand braucht.
Ich versteh´s nicht...
Von Gregor T. um 11:11 0 Kommentare
Montag, 28. Januar 2008
Das Web wird wach
Dass das virtuelle Treiben ein Teil unserer "realen" Gesellschaft ist, lässt sich schwer widerlegen. Und sein Einfluss auf außer-virtuelle Gegebenheiten wird größer.
Preisvergleiche, Produkt-Kritiken und der Traum vom Karrierestart via YouTube: Das Web wacht auf und wirkt hinein in die "konventionelle" Gesellschaft, abseits von Tastatur und Webcam. Und es wird wachsamer.
So beeinflussen die "User" (oder einfach nur: Menschen?) des Web 2.0 nicht nur die Produktpolitik von Unternehmen (was ohnehin, wenn auch etwas träger, seit je her ein Mechanismus der freien Marktwirtschaft war). Auch auf kommunalpolitischer Ebene zeichnen sich Initiativen ab, die dem Netz entspringen.
Mittels Chats und Wikis koordiniert der deutsche Chaos Computer Club (CCC) eigene "Wahlbeobachter", die demokratische Prozesse transparenter machen sollen. Und sie stoßen dabei auf vehemente Gegenwehr seitens der Kommune - mit Bannmeilen und Handyverboten. Dieser "Trendsport" richtet sich vor allem gegen den fragwürdigen Einsatz von Wahlcomputern. Vor allem aber zeigt er, dass sich das Web nicht nur auf Virtuelles beschränkt und neue Formen von Zivilcourage hervorbringt.
Von Gregor T. um 12:24 0 Kommentare